OPENART ROVEREDO 2010

SEELENIRRLICHTER

"Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her"

Die Wahlheimat Tessin habe ich verlassen und lebe seitherig Emmental. Auf Streifzügen der Ilfis entlang mit dem Fahrrad. Auf den Spuren meiner Heimat. Was ist Heimat? Es ist Juni und ein goldenes Lichtermeer überflutet eine kurze Zeit die grünen Wiesen. Bei meinem nächsten Streifzug sind es die Pusteblumen, welche mich an meine Kindheit erinnern. Ein Gedanke erfasst mich. Zufällig und doch so ganz passend. Ein Gedicht welches so beginnt: Lichtlein auf der Wiese blas ich alle aus und ………….. Sie leuchten auf und verschwinden gleich wieder. Ich suche nach dem Gedicht. Es ist von E. Vogel.
Pusteblumen haltbar machen. Wie denn? Poetisch visuell gestalten? Ein Seelenfenster vielleicht. Ich fahre in die Hügel und versuche die Blumen zu präparieren. Die ersten Versuche sind wackelig. Doch dann, ein Tag später gelingt das Unterfangen. 100 Stück, als erster Versuch.
Kleine Gucklöcher und kleine Lichter. Bläulich oder grünlich?  Der Blick ins Innere muss ertastet werden. Die kleinen blauen Taschenlampen leuchten auf und beim Lockern des Griffs erlöschen sie gleich wieder. Die Seelenirrlichter werden kurz aufleuchten und blaue Schatten an die Wand werfen. Das Haus als menschliche  Hülle. Ein Seelenfenster. Darin die vielen Lichter, welche wir mit einem Wort, einer Begegnung einem Geschenk oder unserem Dasein erhellen können. Jeden Tag ein Irrlicht zum Leuchten bringen. In irgend einem Seelenraum eines andern Menschen. Ein schöner Gedanke. Und aus dem Gedanken heraus entsteht mein Seelenfenster. Im Jahr 2011 trägt die Arbeit mich nach Deutschland. Genauer gesagt in die Rheinischen Kliniken nach Bedburg-Hau. Dort steht das Kunstlabor ArToll. Ein Begegnungsort besonderer Art. Meine Vision erweitert sich. Um zum Thema Wunderkammer  den Raum zu gestalten, wird es ca 2000 Pusteblumen brauchen. Sie werden den weissen Raum von 10m2 füllen und sich dem hohen Fenster zuwenden. Eine neue Herausforderung.