REGINE RAMSEIER, LANGNAU BE                        BILDER "ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE"






Interview aus dem Ausstellung-Katalog:

Ihre Gemälde entstehen aus vielen übereinanderliegenden Farbschichten. Was fasziniert Sie an dieser Technik?

Ich lege Schichten von verschiedenen Farben übereinander und versuche, eine Mehrfarbigkeit, welche nur zu erahnen ist, durchschimmern zu lassen. Die Schichten sind in gegensätzlichen Farbklängen aufgebaut. Warme und kalte Farben. Irgendeine Schichtung wird während dieses Prozesses die Endschicht darstellen.


Das Bild "Eremit" stammt aus einer früheren Schaffensphase. Wofür steht er?

In der Beschäftigung mit Hildegard von Bingen wurde mir die Grösse der Benediktinerin und Universalgelehrten bewusst. Zum ersten Mal spannte ich Leinwände, welche meine Körpergrösse überragten. Hoch und schmal mussten sie daherkommen. Auf diese Weise entstand der Eremit. Er steht zwischen Himmel und Erde und stellt die Verbindung von Materie und Geist dar. Ein wichtiges Bild, das den heutigen Themen meiner Malerei noch immer sehr entspricht.


In den "See-Landschaften" ist das Wasser das Hauptmotiv, in den Gemälden "Zwischen Himmel und Erde" sind es die Wolken. Was fasziniert Sie an den beiden Motiven?

Während vieler Jahre habe ich mit Blick auf den See gewohnt. Niemals habe ich jedoch das Wasser zum Thema gewählt. Mein Atelier befand sich im Keller. Da gab es lediglich Oberlichter. Doch ich habe den See beobachtet. Jede Veränderung bewusst wahrgenommen. Die Wolken verdunkelten oft das ganze Gambarogno und entleerten sich über dem Lago Maggiore. Die Oberfläche des Sees war oft von leichter Struktur, als hätte jemand Sand darauf gestreut. In der Malerei bilde ich jedoch nicht die Natur ab, sondern trete mit meiner Seele in einen Dialog. Was sich auf der Leinwand zeigt, lässt sich schwer in Worte fassen. Gefühle und Gedanken verbergen sich darin. C.G. Jung sagte einmal: Seele ist Bild. Dies ist einer meiner Leitsätze geblieben. Aus See-Landschaften werden Seelen-Landschaften.



Eine grosse Stille zeichnet ihre Gemälde aus. Glauben Sie an eine innere Ordnung der Dinge?

Ich liebe die Stille und deren Geräusche, welche oft vom Lärm der zeit überlagert werden. Das Geräusch des Pinsels beim Malen. Der Schnee, welcher fällt. Die Nacht am Waldrand. Die Stille zieht mich magisch an. Ich suche die Stille auf, um zu zeichnen und zu beobachten. Den Wasserfall, die Glocken einer ferngelegenen Kirche, das Rascheln im Laub neben mir. Immer schon waren es die stillen Gemälde, welche mich faszinierten, die Kunst von Giorgio Morandi, Julius Bisher, Italo Valentin und Zoran Music, um nur einige Beispiele nennen. Die Ordnung der Dinge ist für mich gegeben. Oft ist sie jedoch überlagert und nicht wahrnehmbar.


Welche Rolle spielt das Licht?

Das Licht spielt in meinen Bildern eine grosse Rolle. Manchmal als kleiner Akzent, beim Eremiten im Körper, in den Himmelsbildern als Ganzes. Oft leuchtet ein kleines Licht in der Dunkelheit besonders hell. Licht und Schatten sind Gegensätze wie Leben und Tod, welche uns Tag und Nacht begleiten.